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Flurnamen und Regionalgeschichte

Alle Flurnamenreporte zum Herunterladen finden Sie hier.

Die Idee

Flurnamen sind die Namen von Bergen und Tälern, Wäldern und Feldern, Bächen und Teichen, Wegen und Stegen und anderen unbewohnten Örtlichkeiten außerhalb von Siedlungen. Sie enthalten, oft über viele Jahrhunderte überliefert, altes – nicht selten auch fremdes - Sprachgut und gestatten Rückschlüsse auf die Besiedlungsgeschichte. Flurnamen sind damit wichtige Quellen der Regionalgeschichte. Ihre Sammlung, Archivierung sowie sprachwissenschaftliche und siedlungskundliche Aufbereitung ist von großer Bedeutung.

In Thüringen gibt es eine inzwischen fast hundertjährige Tradition in der wissenschaftlichen Flurnamenkunde. An der Universität Jena wurde in den dreißiger Jahren ein Flurnamenarchiv eingerichtet. In ihm wurden bis 1982 etwa 80 000 Flurnamen erfasst. Grundlage dafür waren Katasterarchivalien und andere urkundliche Quellen, örtliche Flurnamensammlungen, regionale Literatur sowie Dissertationsschriften und Examensarbeiten. Das damit vorliegende Material ist ein landeskundlich wichtiger Bestand, für den thüringischen Gesamtraum aber bei weitem noch nicht vollständig.

Der HEIMATBUND THÜRINGEN sieht hier den Ansatz für das Projekt "Flurnamen und Regionalgeschichte". Durch entsprechende Aktivitäten sollen interessierte Heimatfreunde gewonnen werden, die in ehrenamtlicher Arbeit den Flurnamenbestand ihres Ortes sammeln, nach vorgegebenen Kriterien zusammenstellen und damit sowohl die Grundlage für die jeweilige örtliche Flurnamensammlung schaffen als auch zur Vervollständigung des an der Friedrich-Schiller-Universität Jena bestehenden Flurnamenarchivs beitragen. Der HEIMATBUND THÜRINGEN entspricht mit diesem Projekt seinem Anliegen, die landeskundliche Forschung und heimatkundliche Bildung zu fördern und zur Entwicklung von Landes- und Heimatbewusstsein beizutragen.

Die Umsetzung des Projektes

Das Projekt wird vom HEIMATBUND THÜRINGEN getragen. Die namenkundliche Fachberatung erfolgte bis 2005 durch Prof. Dr. Günther Hänse, Weimar, und Sprachwissenschaftler der Arbeitsstelle "Thüringisches Wörterbuch" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Seit 2006 wird das Projekt fachlich unterstützt von Mitarbeitern des Instituts für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Zur Anleitung der ehrenamtlichen Projektmitarbeiter werden Konferenzen durchgeführt und schriftliche Materialien vorbereitet.
Für die Sammlung und Zusammenstellung des Flurnamenmaterials sind folgende Arbeitsschritte vorgesehen:
- Erfassung der Flurnamen (FLN) und Eintragung der namenkundlich wesentlichen Daten auf FLN-Zetteln (oder -Karten) im Format DIN A 6
– Anlage einer FLN-Sammlung für die jeweilige Gemarkung und – wenn möglich – auf dieser Grundlage Erarbeitung eines örtlichen FLN-Buches
– Bereitstellung des Materials für die weitere namenkundlich-siedlungsgeschichtliche Auswertung an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Über den Stand des Projekts, Ergebnisse und Erfahrungen bei der Arbeit an den Flurnamen informieren wir auf Regionaltagungen, den im zweijährigen Rhythmus stattfindenden Flurnamenkonferenzen und in einem "Flurnamen-Report" mit jährlich vier Ausgaben. In Zeitschriften und Tageszeitungen konnten inzwischen zahlreiche Beiträge zu flurnamenkundlichen Themen publiziert werden.

Materialbereitstellung, Erhebungsmethoden und Arbeitsschritte bei der Flurnamensammlung

Die örtlichen Flurnamensammlungen sollten nach folgendem 7-Punkte-Katalog angelegt werden:

  1. Beschaffung des grundlegenden Arbeitsmaterials: Kopie einer Flurkarte der Gemarkung aus den Beständen des Katasteramtes;
  2. Gewinnung der amtlichen Flurnamenformen aus Katastermaterialien (Flurkarten und Flurbücher, Grundbücher), Meßtischblättern und Forstkarten;
  3. Zusammenstellung schriftlicher historischer Belege aus privatem, örtlichem und zentralem Archivmaterial (ungedruckte Steuer- und Zinsbücher, Lehnsbriefe, Besitzstandsverzeichnisse, Dorfordnungen, städtische Handelsbücher, Erbschaftssachen, Kaufverträge, Grenzbeschreibungen, Verordnungen und Verträge der Landesherrschaft), aus gedruckten Quellen (Urkundenbücher und Abhandlungen) sowie aus historischen Karten;
  4. Aufnahme von mündlichen und schriftlichen Überlieferungen (z.B. aus der regionalgeschichtlichen Literatur) zum Flurnamen und seinem Denotat (volkstümliche Deutungsversuche, besondere Ereignisse, historische Hintergründe für die Namenentstehung);
  5. Erhebung der Mundartformen durch Befragung geeigneter Gewährspersonen (Landwirte, forstwirtschaftliches Personal, Heimatkundler);
  6. Realprobe: Erkundung und Beschreibung der Beschaffenheit aller benannten Örtlichkeiten (Denotate): Lage, Ausdehnung, Geländestruktur, Gestalt der Grundstücke, Besitzverhältnisse, Nutzungsart, Bodenverhältnisse und -funde, natürlicher Bewuchs
  7. Übertragung der wichtigsten Informationen auf Zettel oder Karteikarten bzw. in ein vorbereitetes Datenblatt am PC; Anlage einer Orts-Flurnamendatei als Grundlage für die weitere Bearbeitung (Namendeutung, Erarbeitung eines örtlichen Flurnamenbuches) sowie für die künftige Einordnung des Namenbestandes in das zentrale Jenaer Flurnamenarchiv.

Flurnamenzettel

Damit die entstehenden Flurnamensammlungen in das Jenaer Flurnamenarchiv - inhaltlich und formal passend - eingeordnet werden können, sollten sie nach einem einheitlichen Muster aufgebaut sein. Die Flurnamenzettel (optimale Größe DIN A 6) können handschriftlich ausgefüllt werden, aber selbstverständlich können die Eintragungen auch direkt am PC erfolgen. Eine entsprechende WORD-Erfassungsmaske können Sie selbst erstellen oder in unserer Geschäftsstelle abfordern.
Alphabetisch geordnet bilden die solcherart angelegten Flurnamen-Zettel dann die Flurnamen-Sammlung der betroffenen Gemarkung und damit eine Grundlage für weitergehende flurnamenkundlich-siedlungsgeschichtliche Forschungen.

Örtliches Flurnamen-Buch

Zur Publikation einer örtlichen Flurnamen-Sammlung erweist sich die Erarbeitung eines örtlichen Flurnamen-Buches als günstig. Für seine Anlage ist die folgende Gliederung empfehlenswert:

Flurnamenbuch von ...

  1. Vorwort des Autors / Herausgebers
  2. Kurzbeschreibung der Gemarkung: Grenzverlauf, Oberflächenbeschaffenheit (Berge, Täler, Wald, Wiesen, Feldflächen usw.), Gewässer, Bodenverhältnisse. Wenn vorhanden, Einbeziehung eines Luftbildes der Gemarkung.
  3. Alphabetische Liste sämtlicher für die Gemarkung ermittelten Flurnamen einschließlich ihrer Erklärung. Für jeden Flurnamen dabei die Angaben, die auf dem jeweiligen Flurnamenzettel eingetragen sind. Wenn durch Fotos die Namenerklärung gestützt werden kann, sollten sie beigefügt werden.
  4. Erklärung und Geschichte des Ortsnamens und Auswertung der Flurnamen für die Siedlungsgeschichte: das Flurbild in seinem Wandel; Belege für frühere Ansiedlungen (archäologische Funde); aus den Flurnamen entnehmbare Hinweise auf die Besiedlungsgeschichte des Ortes; Geschichte der landwirtschaftlichen Nutzung der Gemarkungsflächen; besondere Ereignisse, auf die die Flurnamen hinweisen usw. ...
  5. Karte der Ortsgemarkung (als Anlage). Am günstigsten sind hierfür die Gemarkungskarten, die im Zusammenhang mit den Separationsvorgängen im 19. Jh. gezeichnet worden sind und die auch Flurnameneinträge enthalten. Die Karten liegen in den Katasterämtern, den Stadt-, Kreis- oder Staatsarchiven.
  6. Verzeichnis der benutzten Archivmaterialien und Literatur.

Flurnamen und Regionalgeschichte

Flurnamen stellen einen bedeutenden Schatz regionaler Geschichte und Identität dar. Je nach Thüringer Dialekt spiegeln sie Aspekte der Agrar- und Forstgeschichte, der Wirtschaftsgeschichte, der historischen Wegestruktur oder lokalgeschichtliche Ereignisse und Entwicklungen wider. Die Erforschung und Bewahrung der Flurnamen erscheint auch deshalb von Bedeutung, weil ihr alltäglicher Gebrauch im Verschwinden begriffen ist.

Das Projekt „Flurnamen und Regionalgeschichte“ des Thüringer Heimatbundes begann im November 1999 mit einer Konferenz in Elgersburg. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Beschäftigung mit Flurnamen zu den zugkräftigsten und erfolgreichsten Projekten des Heimatbundes.

Kooperationspartner in diesem Projekt ist die Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Mittlerweile widmen sich mehr als 150 ehrenamtliche Flurnamensammler in ganz Thüringen der systematischen Sammlung, Archivierung und Auswertung von Flurnamen. Die Ergebnisse werden auf regionalen Tagungen sowie in Flurnamenkonferenzen vorgestellt und diskutiert. Ein Teil der Forschungsergebnisse kann seit dem Jahr 2000 in den vier Mal jährlich erscheinenden „Flurnamenreporten“ nachgelesen werden.

 

 

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