Grußwort
von Franziska Zschäck, Leiterin des Thüringer Freilichtmuseums Hohenfelden und Vorsitzende des Thüringer Landesdenkmalrates (TLDR)
Liebe Leserinnen und Leser,
das Thüringer Freilichtmuseum hat seinen Ursprung im denkmalgeschützten Ort Hohenfelden. Zu den Museumsbereichen im Dorf gehören, neben anderen Gebäuden, auch die beiden Einzeldenkmale »Alter Pfarrhof« und das Wohnhaus des Hofes Nr. 66 aus dem 17. Jahrhundert. Nördlich des Dorfes liegt der Hauptstandort des TFLM, das Museumsgelände »Am Eichenberg« mit translozierten Gebäuden aus vielen Thüringer Regionen. Zuletzt wurden mit der Umsetzung der Häuser aus Abtsbessingen und Heinersdorf sowie den beiden Handwerkerhäusern aus Empfertshausen vier weitere, ehemals denkmalgeschützte Gebäude, für künftige Generationen bewahrt.
Doch die Umsetzung von Denkmalen kann immer nur der letzte Ausweg sein, um ein Gebäude zu bewahren, zumal die Zahl, der dem Museum jährlich angebotenen Objekte, die Möglichkeiten des TFLM weit übersteigt. Der bessere Weg ist immer der Erhalt vor Ort.
Gerade gerät die Denkmallandschaft in Deutschland vermehrt unter Druck. Politiker in allen Bundesländern versprechen durch die Aufweichung des Denkmalschutzes die Lösung aller Probleme, sei es im Wohnungsbau oder in der Infrastruktur. Dieses Versprechen ist allerdings völlig illusorisch, weil Denkmale in Deutschland nur ca. 3 % des Gebäudebestandes ausmachen.
In Thüringen kommen weitere problematische Entwicklungen hinzu: Es gibt einen starken Bevölkerungsrückgang (seit 1990 -14 %) und die Bevölkerung wird immer älter. Entsprechend gibt es immer mehr Leerstand in den Orten. Dieser trifft nicht nur, aber auch denkmalgeschützte Gebäude – Bauernhäuser, Gutshäuser, Schulen, Kirchen und vieles mehr.
Doch ein Denkmal kann nur erhalten werden, wenn es genutzt wird. Manchmal ist eine kulturelle Nutzung möglich. So befindet sich die Mehrzahl der Thüringer Museen in Denkmalen – seien es Industriedenkmale, Bürgerhäuser oder Schlösser. Aber es müssen auch andere Nutzungsideen gefunden werden. Dafür brauchen Privatleute und Vereine, die sich für den Erhalt eines Denkmales vor Ort engagieren, Unterstützung. Das kann ein finanzieller Zuschuss durch entsprechende Förderprogramme sein oder durch steuerliche Entlastung. Schließlich ist die Weiternutzung eines jahrhundertealten Gebäudes ein ausgezeichnetes Beispiel für Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Dazu gehören aber auch Wissenstransfer durch Netzwerke wie dem Thüringer Denkmalnetz und die Aus- und Weiterbildung von Architekten und Handwerkern zum Bauen mit historischen Baustoffen und praxisgeschulte Denkmalpfleger. In unserem Nachbarland Hessen wurde für diesen Wissenstransfer bspw. im Freilichtmuseum Hessenpark ein Fachwerk-Musterhaus errichtet, in dem sich Hausbesitzer über alle Themen rund um das Wohnen in einem Fachwerkhaus informieren können.
Denkmale stehen nicht nur für eine bestimmte Architektur. Sie sind genauso Zeugnisse von Lebens-, Familien-, Orts- und Landesgeschichte und als solche schützenswert. Verlieren wir diese Gebäude, verlieren wir immer auch ein Stück unserer Geschichte. Engagieren wir uns deshalb gemeinsam, um so viele Denkmale wie möglich zu erhalten und sinnvoll zu nutzen.
Ihre,
Franziska Zschäck













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