Historische Jubiläen 2025: 500 Jahre Bauernkrieg, 80 Jahre Ende des Zweiten Weltkrieges
Editorial von Pauline Lörzer und Pascal Mauf
Liebe Leserinnen und Leser,
Thüringen ist ein Land, in dem Geschichte vielerorts sichtbar ist – in seinen Dörfern, Städten, Landschaften und in der Erinnerung seiner Menschen. Jubiläen laden dazu ein, ja fordern dazu auf, neue Perspektiven auf Geschichte zu werfen, historische Ereignisse dadurch neu zu betrachten und ihren Nachhall in unserer Gegenwart zu entdecken.
In diesem Jahr blicken wir auf gleich zwei prägende historische Zäsuren, die auf sehr unterschiedliche Weise die Geschichte unseres Landes beeinflusst haben: den Bauernkrieg, der mit der Schlacht von Frankenhausen 1525 vor 500 Jahren auf Thüringer Boden seine heftigsten Ausbrüche fand, und das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren, der tiefgreifende Spuren in Landschaft, Gesellschaft und Geschichte hinterließ. Beide Ereignisse markieren Wendepunkte, die Zusammenbruch und Aufbruch gleichermaßen bedeuten.
Die Bauernaufstände hatten in Thüringen ein besonderes Zentrum. Orte wie Mühlhausen, wo Thomas Müntzer zum Symbol für religiösen Eifer einerseits und sozialen Aufbruch andererseits wurde, stehen bis heute für den Wunsch nach Gerechtigkeit und Selbstbestimmung. Die große Thüringer Landesausstellung hat unter der Überschrift »freyheit 1525–500 Jahre Bauernkrieg« in diesem Jahr viele Fragen neu aufgeworfen und damit vertraut und bisweilen auserzählt geglaubte Geschichten in neuem Licht erscheinen lassen. Vielleicht waren einige von Ihnen dort und haben erlebt, wie eindrucksvoll und erkenntnisreich historische Ereignisse in den Dialog mit unserer Gegenwart treten können. Auch wir nutzen die Gelegenheit, über das Thema nachzudenken und Fragen zu stellen. In den Beiträgen auf den folgenden Seiten dieser Ausgabe werden die historischen Entwicklungen ebenso wie ihre künstlerischen und kulturellen Spuren betrachtet – und so wird etwa der Frage nachgegangen, wie der Bauernkrieg eigentlich klang.
Auch das Jahr 1945 steht im Mittelpunkt des Erinnerns. Acht Jahrzehnte nach Kriegsende lenken wir den Blick auf Thüringen in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs – auf den Volkssturm, persönliche Schicksale wie das von Helmut Zorn aus Reinstädt, auf Orte des Leidens wie die KZ-Gedenkstätte Laura und auf die Forschungsarbeit »Buchenwald war überall«, die das weit verzweigte System der Außenlager sichtbar macht. Ebenso werden die Verluste von Kunst und Kulturgut, etwa aus den Sammlungen Otto Krebs oder von Schloss Schwarzburg, beleuchtet – Verluste, die bis heute Fragen nach Verantwortung und Erinnerung aufwerfen.
Darüber hinaus widmen wir uns in dieser Ausgabe weiteren Themen aus Geschichte, Kultur und Gegenwart. Dazu zählt auch ein kleineres Jubiläum: das der Langenbacher Glashütte, die mit einer 500-jährigen Geschichte als älteste Dorfglashütte Thüringens gilt. Zudem stellen wir Mitgliedsvereine vor, um Einblicke in das vielfältige und wertvolle Engagement der Menschen in Thüringen zu geben: in diesem Heft den Heimatverein Westenfeld 1999 e.V.
Nicht fehlen darf der Blick auf die Thüringer Flurnamenforschung. Dieses Mal steht das Thüringer Flurnamenarchiv im Mittelpunkt, aber nicht nur mit seiner Geschichte, sondern vor allem mit einem Ausblick auf seine (digitale) Zukunft. Und auch aus unserem Projekt der Zertifizierten Natur- und Landschaftsführer (ZNL) gibt es Neues zu berichten.
Ergänzt wird die Ausgabe durch die Laudatio auf Gerhard Greiner-Bär, Preisträger der Kulturnadel des Freistaates Thüringen und treuer Autor in unserer Zeitschrift, sowie einem Beitrag zu architektonischen Besonderheiten wie den Palladio-Fenstern in Gera. Sie alle zeigen, dass in Thüringen Geschichte nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu entdeckt wird.
In diesem Sinne laden wir Sie ein, mit uns auf eine Reise durch fünf Jahrhunderte Thüringer Geschichte zu gehen – zwischen Aufbruch und Erinnerung, Verlust und Neuanfang. Möge dieses Heft dazu beitragen, historischen Ereignissen nicht nur zu gedenken, sondern sie auch als Teil unseres heutigen Selbstverständnisses zu begreifen.
Wir wünschen Ihnen dabei viel Lesevergnügen.













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