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Thüringer BNE-Siegel 2018

Heimat Thüringen Heft 4/2019

Pauline Lörzer

Natur, Kultur, Geschichte
Kultur Digital – Portale, Projekte & Möglichkeiten
der Kulturgut-Digitalisierung in Thüringen

Liebe Leserinnen und Leser,

der Begriff der »Digitalisierung« ist heute fast ein ebensolches Modewort wie »Heimat« – nicht zuletzt als Schlagwort auf den Wahlplakaten in der ganzen Republik. Gemeinsam haben aber beide Begriffe nicht nur den vielfachen aktuellen Gebrauch, sondern auch die differenten Vorstell­ungen der Menschen über das, was eigentlich Heimat bzw. Digitalisierung genau ist. Wir wissen aber: beides ist, bei korrekter Anwendung, wichtig für Thüringen.

Schlagwörter wie »Breitbandausbau« und »Funklöcher« sind dabei weitere wichtige Verbindungen beider Welten. Denn der Zugang zum Internet ist nicht nur zentrale Grundlage für Industrie, Wirtschaft und Handel, sondern auch ­wichtiger Indikator für Lebensqualität. Besonders im ländlichen Raum hängt also von der technischen Digitalisierung auch stark der Zuzug sowohl von jungen Menschen und Familien als auch von Unternehmen ab – und auch die Thüringer Städte brauchen, um konkurrenzfähig zu bleiben, den technischen Fortschritt und eine möglichst schnelle Verbindung ins Netz. Sie ist also ein wichtiger Faktor dafür, wo sich Menschen niederlassen und ihre »Heimat« schaffen.

Aber wenn die technischen Grundlagen einmal geschaffen sind, was dann? Die Thüringer Kultur hat die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung längst erkannt und präsentiert sich vielfältig im Netz. Vor allem der Zugang zu Informationen und Quellen wird mit Portalen immer mehr vereinfacht und schafft damit auch eine erhöhte Sichtbarkeit.

Natürlich sind trotz der Fülle der Themen in diesem Heft am Ende nur Einblicke in die verschiedenen Projekte und Wandlungsprozesse, die die Digitalisierung für unsere Heimat Thüringen bedeutet, möglich.Dennoch wird ein guter Querschnitt durch die neuen Chancen, aber auch die Herausforderungen der Digitalisierung in der Thüringer Kulturlandschaft vermittelt. Viele der vorgestellten Projekte und Themen sind auch ganz konkrete Anregungen für alle heimatkundlich Interessierten, die historisch forschen oder anderweitig in ihren Regionen tätig sind. Wo und wie findet man dafür Informationen, Quellen und Ansprechpartner? Was verändert sich und wie kann man sich darauf einstellen?

Der Fokus des Heftes liegt dabei klar auf der vielfältigen Kultur des Freistaats Thüringen, denn besonders hier wurden in zahlreichen Kooperationen in den letzten Jahren großartige Projekte entwickelt. Das Jahr 2019 hat hier nochmals eine besondere gespielt, denn im Sommer wurde das Thüringer Kulturportal »Kulthura« freigeschaltet, welches viele der Einzelprojekte bündelt und benutzerfreundlich präsentiert. Es wird in diesem Heft ausführlich vorgestellt.

Auch weitere Projekte konnten dieses Jahr umgesetzt und online gestellt werden:

  • das Flurnamenportal
  • das Editionenportal
  • das Portal für die Künstlerwerksverzeichnisse Thüringens
  • das zentrale Ausstellungsmodul
  • die Schönberger Sammlung

Und das ist natürlich nicht das Ende. Auch für die kommenden Jahre liegen schon bedeutende Projektideen auf dem Tisch. Zentral ist dafür immer die Nachhaltigkeit, denn mit »einfach nur digitalisiert« ist noch nichts gewonnen. Gerade in der schnelllebigen und sich ständig verändernden digitalen Welt müssen sich auch die Portale und Projekte permanent anpassen und wandeln. Auf der Grundlage von »CarLo«, der zentralen Portalsoftware für den Kulturbereich, wurde für »Kulthura« ein zentraler Index aufgebaut, der einen gemeinsamen Zugriff auf alle digitalisierten Daten und Objekte sowie eine spartenübergreifende projektbezogene Vernetzung ermöglicht und die notwendigen Schnittstellen bereitstellt, um Daten in vielfältiger Weise ausspielen zu können. Ob Editions- und Reformationsportal, Thulex oder Dinter – alle Daten werden dafür von Kulthura bereitgestellt.

Zunächst wird im Heft digiCULT vorgestellt, welches die technische Grundlage für viele der weiteren Artikel bildet – auch für die darauf folgenden Projektvorstellungen. Neben Kulthura gehören dazu drei wichtige Projekte, die auch der Heimatbund Thüringen e.V. mit unterstützt hat und die maßgeblich für seine Arbeit bzw. die seiner Mitglieder ist:

  • das Kulturlandschaftsportal Thüringen
  • das Portal herausragender Bodendenkmale in Thüringen
  • das Flurnamenportal

Diese sind aber natürlich nicht die einzigen nützlichen und für die Thüringer Kulturlandschaft wichtigen Portale. Deshalb wird darauf folgend ein Einblick in die Welt der Archive, Bibliotheken und Museen in Thüringen gegeben. Hier steht sowohl die Bedeutung der Digitalisierung für die Institutionen im Allgemeinen im Fokus, wie auch die Vorstellung exemplarischer Projekte und Institutionen. Viele der vorgestellten Portale und Zugänge sind vor allem für Heimatforscher von großer Bedeutung, bieten sie doch vereinfachte Zugänge zu wichtigen Quellen und Informationen. Deshalb beschäftigen wir uns in einem weiteren Schwerpunkt mit der Bedeutung und Herausforderung der Digitalisierung für das Ehrenamt und die Heimatforschung. Neben einem Einblick in den Wandel der Bürger- und Zivilgesellschaft durch die Digitalisierung widmen wir uns auch der großen Herausforderung der Lesbarkeit von alten Handschriften und hoffen hier wichtige Leitfäden an die Hand zu geben. In zwei konkreten Beispielen wird erläutert, wie digitale Geodaten für konkrete Forschungsprojekte der Ortsgeschichte und Umweltpädagogik genutzt wurden.

Das Stichwort Umwelt leitet dabei zu einem ­weiteren Bereich über, denn auch für den Natur- und Landschaftsschutz zeigt die Digitalisierung neue Wege auf. Nicht nur, dass wichtige Kulturlandschaftselemente zentral gesammelt und einfach zugänglich gemacht werden können, auch die »ganz klassische« Nutzung der Natur kann vereinfacht werden. Das zeigen die Beiträge über Mundraub.org und das Foodsharing Netzwerk in Jena.

Und natürlich verändert es auch unseren Tourismus. Denn wenn unsere Kultur und Natur von überall aus zugänglich wird, kann man auch überall damit werben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Kulturdigitalisierung in Thüringen schon auf dem besten Weg ist. Mit einigen Projekten haben wir sogar Alleinstellungmerkmale innerhalb der deutschen Wissenschaftslandschaft. Wichtig ist es, dass wir diese auch weiterhin ausbauen und natürlich, dass wir die neuen digitalen Zugänge zur Kultur nutzen, um uns zu bilden, um zu forschen und zu vermitteln.

Wir wünschen allen viel Lesevergnügen und spannende Anregungen.

PAULINE LÖRZER

ist Vorstandsmitglied des ­Heimatbund Thüringen und war als Redakteurin für das vorliegende Heft tätig. Sie ist hauptberuflich Museumsleiterin in Camburg und ebenfalls im Vorstand der Thüringischen ­Vereinigung für Volkskunde e.V.

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